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Re: Sam &' Finnley | zu Beginn des Schuljahres | Eingangshalle
von Sam am 13.06.2026 16:48Ich hatte schon einen langen Tag hinter mir, obwohl nicht einmal Mittag war. Mom hatte mich früh aufgeweckt, um wirklich ALLES noch einmal mit mir durchzugehen: Den Ausweis, das Visum, den Brief aus Hogwarts, dass ich dieses Jahr als Austauschschül- was war das richtige Wort für mich? Schüler? Schülerin? Definitiv nicht! Schulperson? Das war doch wirklich jeder in einer Schule, oder? Ich muss mir wirklich noch überlegen, was sich richtig für mich anfühlt. Also muss ich mich wohl mal wieder ans Erfinden machen. Seufz!
Dann kam die Aufnahmebestätigung von Ilvermorny, die Einreisegenehmigung mit der Bestätigung der dreiwöchigen Quarantäne meiner magischen Tiere. Es war ein Riesen Aufwand gewesen, das alles bürokratisch absegnen zu lassen. Scheinbar war auch in Ilvermorny die Obergrenze für tierische Begleiter auf maximal eines angesetzt. Wie um Merlins Willen hätte ich aber jetzt genau eines wählen sollen?! Völlig absurd. Schließlich bin ich deren einzige Bezugsperson. Wenigstens ein Wort, das auf mich zutrifft! Letztenendes sind sie dann als „Forschungsprojekt im Unterricht Pflege für magische Tierwesen“ durchgegangen. Offiziell darf aber nur immer eines davon als „Begleittier“ zu mir in den Schlafsaal und dafür muss ich dann ein Halsband umlegen, auf dem „Sam´s Begleittier“ steht. Geradezu ignorant! Sie gehörten mir ja nicht. Sie gehörten sich schließlich selbst. Das ist genau dieses Menschenzentrierte Denken, das uns seit Jahrhunderten im Weg steht, ordentlich mit unseren Mitwesen umzugehen. Am liebsten hätte ich natürlich immer alle bei mir, aber das ist der Kompromiss, den ich nun einmal eingehen muss.
Dann kam mein letztes Zeugnis, das Schreiben, dass ich einen internationalen Portschlüssel benutzen darf dazu, Mom ging die Gepäckliste durch: drei Zaubererumhänge (einen zum Tragen, einen zum waschen, einen, wenn ich dieses Jahr doch noch zu groß für die anderen zwei wäre - als ob!), Socken, Handschuhe aus Drachenhaut, eine Sturmhaube (was denkt sie eigentlich, wo ich hinreise?), mein Zinnkessel Normgröße 2, den ich von Großonkel Caoimhin, den alle nur Kevin nennen, um den sehr talentierten Zaubertrankmeister aufzuziehen, geliehen bekommen habe (wir haben ja keinen Kontakt mehr zur Großfamilie, seit Mom Dad geheiratet hat, also ist es mir ein Rätsel, wie Großonkel Kevin zu der Leihgabe an ursprünglich Mom als Kind inzwischen steht), meinen Besen (den ich streng auf die Liste mit aufgenommen hatte, schließlich muss ich irgendwie panisch herumfliegende Freunde wieder einfangen können), meine neuen UND alten Schulbücher („Was, wenn du etwas vom letzten Jahr nachschlagen möchtest, weil sie die Informationen dort nicht haben?!“ Manchmal ist Mom wirklich engstirnig für eine altirische Clanhexe, die mit einem Muggel-Engländer durchgebrannt ist), Federn, Tinte, Pergament und und und Die tatsächlich wichtigen Sachen, wie den Lieblingskuschelstein von Miley der Feuersalamanderin, musste ich natürlich selbst auf meiner eigenen geheimen Liste abhaken, aber so ist Mom nun einmal; zwar versteht sie meine Liebe zu den magischen Wesen und versucht mich so gut zu unterstützen, wie sie es kann, aber bei manchen offensichtlichen Dingen, wie dass Wobbly seine Mahlzeiten nur um 2 Minuten nach einer vollen Stunde einnimmt, versteht sie einfach nicht.
Aber das, was ich jedes Mal zähneknirschend hinnehme, ist, dass wirklich ÜBERALL mein Deadname „Samantha“ steht. Und gerade als ich daran denke, höre ich ihn schon wieder: „Hollingsworth, Samantha“ Ich balle meine Fäuste und unterdrücke ein lautes Aufstöhnen. Das hier sollte doch ein Neuanfang sein! Hier will ich mich neu erfinden, herausfinden, wer „Sam“ wirklich ist. Ich hatte doch an jeden meiner Lehrer ein - zugegebenermaßen identisches - Schreiben verfasst, dass ich mich gerade im Namensänderungsprozess befinde, aber demnach immer mit Sam oder Rory Hollingsowrth angesprochen werden möchte. Aber das… Zwei forschende Augen starren mich auffordernd an. Habe ich wieder geschlafen? Ich merke, wie mein Gesicht heiß wird. Ich hoffe, dass es nicht knallrot ist.
Nervös trete ich auf den gordischen Knoten. Sehr gut. Ein gordischer Knoten. So wie dieses ganze zwei-Geschlechter-System, das kein Rätsel, sondern einfach ein neumodisches Konstrukt ist, das zerschlagen gehört. So ein gordischer Knoten ist bestimmt auch toll für Flipsy, den Matagot, den ich mitgebracht habe. Naja… technisch gesehen ist Flipsy vorgereist, da sie als „Forschungsprojekt“ mit den anderen „Forschungsprojekten“ gleichzeitig ankommen musste. Ob ich wohl auch ein „Forschungsobjekt“ bin, hier in Il-
„Thunderbird!“ ruft eine erwachsene Stimme. Ich schrecke hoch, weil ich offenbar schon wieder abgedriftet bin und erblicke einen Teenager auf einem Balkon, der halb gelangweilt, halb zufrieden klatscht. Wer das wohl ist? Neugierig stelle ich mich zu den anderen SchülerInnen, die schon ausgewählt wurden und beobachte jetzt erst, wie das tatsächlich abläuft. Der Ausruf des Namens (naja, oder das, was halt auf der Liste steht), das vortreten, auf den Knoten, das aufblitzen, Flügelschwingen… dann das leicht erleichterte Aufatmen und dann das beiseite treten zu uns andern. Viele waren es wirklich nicht, aber es kommen ja die letzten Tage und Wochen so viele aus der ganzen Welt hier nach Ilvermorny. Habe ich auch erleichtert gewirkt? Oder sah ich wegen meinem Gesicht vielleicht wütend aus? Oder gar überheblich? Ich hoffe nicht überheblich. In der magischen Tierwesenwelt kriegen diejenigen, die überheblich sind, ganz schnell auf die Schnauze und das brauche ich nun wirklich nicht. Erst mal will ich hier einfach nur untertauchen und sicherstellen, dass es meinen Lieblingen allen gut geht - immerhin sind sie noch nie so weit gereist ohne mich, da ich sie selbstverständlich entweder aufgepäppelt oder selbst groß gezogen habe. Bis auf Humphrey Bowie, der Bowtruckle, den Mom mir absurderweise tatsächlich gekauft hat. Warum sie ausgerechnet einen Bowtruckle GEKAUFT hat, ist mir bis heute ein Rätsel, aber Reyrey, wie ich ihn nenne, war der Start meiner mehr oder minder exotischen Tierfreundschaften. Reyrey habe ich als einziges persönlich in die USA „einführen“ dürfen, da wir für ihn einen Kaufvertrag besitzen. Liebevoll streichle ich ReyRey über sein verwegen hingelegtes Kopfblatt und stelle noch einmal sicher, dass das Halsband, das ich heute morgen mit dem Reducio Zauber auf seine Größe angepasst habe, noch immer richtig sitzt. Nocheinmal rufe ich mir den Spruch und die Zauberstabbewegung in den Kopf, mit der ich das Halsband wieder vergrößern kann. Die letzten Tage habe ich mir diese zwei Zauber wirklich eingebläut, da sie erst in diesem Jahr Schulstoff sind.
Liebevoll piekst ReyRey mir in den schon sehr vernarbten Daumen. Dann atme ich tief durch, lenke meine Aufmerksamkeit wieder auf meine Umgebung, nur um festzustellen, dass der Teenager vom Balkon verschwunden ist. Wer das wohl war?








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