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Re: Entweder oder
von Edith am 01.07.2026 18:14Mount Greylock (stell ich mir toll vor)
Schokofrösche oder Butterbier?

Re: Emma &' Nevenka | Auf der Willkommensfeier
von Emma am 01.07.2026 09:40Ein leises selbstsicheres Lachen war die Antwort auf Nevenkas steigende Erwartungen, das vermutlich auch über den leichten Wind noch bis nach vorn dringen würde. Doch da besagte Ecke eben gleich da war, würde der Austauschschülerin vermutlich nicht mehr viel Zeit bleiben darauf zu reagieren. Denn hinter der Ecke, eben eine Außenecke des Schulgebäudes, lag die Westseite des Berges, welche nicht nur, da wenig bewachsen, einen fantastischen Ausblick auf die Ländereien unterhalb bot, sondern eben aufgrund der Lage die letzten Augenblicke der untergehenden Sonne einfing, bevor sie hinter dem Horizont verschwand. Im schummrigen letzten Licht des Tages also war vor den Mauern des Gebäudes eine kleine Fläche, vieleicht 4 qm, zwischen Bergabhang und Schlossmauer, welche von sommerlich saftigen grünen Gras und Wildblumen in allen Farben und Formen bewachsen war. Vor der Mauer, mit Blickrichtung tal, stand eine kleine weiß gestrichene Holzbank. Diese hatte Emma in ihrem zweiten Jahr mit sehr viel Mühe hier hern levitiert, nachdem sie es leid war, auf dem Boden zu sitzen. Welcher zwar schon immer grasig war, aber erst mit Blumen bewachsen, nachdem Emma bereits im erstern Jahr Samen hier vertreut hatte. Ohne einen grünen Daumen ein Wagnis, die Rechnung ging allerdings voll auf, als im nächsten Jahr ein buntes Blühen begann, dass seither in jedem Frühling zurück kehrte. Die kleine Lichtung endete am Rand den näher am Schloss liegenden Abgrund, sodass die Fläche wie ein Halbkreis verlief, vor den Mauern des Schlosses, begrenzt außen von den niedrig bewaldeten Berghängen. Da hier nun wieder mehr Platz war, schlich sich die Blondine mit einem triumphierenden Lächeln an ihrer Begleitung vorbei und gng zur Bank. Mit einem Revelio wurde eine kleine Kiste unter der Bank sichtbar, aus welcher Emma ein Glas, da sie ja sonst allein war, und eine Flasche Butterbier, vor wenigen Stunden frisch hier platziert, herausholte und Nevenka präsentierte. "Mund zu, sonst kommen Fliegen rein." War ihre, mit sich sehr zufriedenen, Aussage zu dieser nur.
Re: Leonora & Edith | Beginn von Leonora's 4. Schuljahr | Edith' Büro
von Edith am 26.06.2026 13:37Auf den Punkt. Genau wie erwartet, oder fast schon vorhergesehen, auch ohne irgendwelchen wenngleich praktischen Fähigkeiten in diese Richtung, klopfte es genau in dem Moment an der Tür, in dem es Edith erwartet hatte, indem sie bereits ihren Blick, all ihre Aufmerksamkeit auf die Tür gerichtet hatte. Die Studie der Personalakte, welche nun fein säuberlich geschlossen verstaut in der Schublade lag, da sie den Inhalt bereits auswendig verinnerlicht hatte, sowie eine einfache Anfrage bei ihren Kollegen, die bereits länger hier waren und damit die Schülerschaft, ihre Störenfriede, ihre Pappenheimer aber eben auch ihre Sternchen gut kannten, hatte genügt, um die Annahme, ja Erwartung eines pünktlichen Erscheinens zu erwarten. Eine wichtige Entscheidung, wollte man einen bestimmten Eindruck machen. In den wohl überwiegenden Fällen war es, so vertrat auch Edith die Meinung, war man lieber eine Stunde zu früh, als eine Minute zu spät. Aber das galt nicht für die vieleicht handvoll Gelegenheiten, in denen auf dem Weg keine Verzögerungen zu erwarten waren, zeitiges Kommen keine besseren Plätze bot oder es danach aussehen ließ, man hätte nichts besseres zu tun. Gerade letzteres wog in einer Schule schwer. Hatte doch ein Schüler mit seinem Unterrichtsstoffvor- und nachbereiten mehr als genug zu tun, als auch der Professor seine zahlreichen Aufgaben in einem minutengenauen Zeitplan organiesiert hatte und eben nicht schon eine halbe Stunde vor dem Termin Zeit für ein Pläuschschen hätte. Nachdem Edith also ihren pünktlich auf die Minute erscheinenden Termin herein gebeten hatte, kam dieser auch promt der Aufforderung nach. Anders als Leonora wusste Edith natürlich was sie erwartete und beobachtete die Schülerin daher still, mit einem Blick weder aufdringlich noch auffordernd oder unangenehm, wie diese sich ein Bild des Büros machte. Edith empfing nicht häufig besuch in diesem Raum. Mit ihren Kollegen besprach sie sich lieber im Lehrerzimmer, die Atmosphäre war geeigneter für fachliche Gespräche. Schüler, wenn sie denn überhaupt sich mehr mit diesen abgab, als über das Pensum des Unterrichts hinaus, was eben selten vorkam, da die meisten Schüler sehr auffällig nicht an weiterem historischen Wissen oder Unterhaltungen interessiert waren und Edith die Aufsicht vertrat, dass es reine Zeitverschwendung sei, jenen hinterher zu rennen, die nur weg rannten. Ihre Pflicht war es, ihre Schüler auf die entsprechenden Prüfungen vorzubereiten und diesem Ziel ging sie mit allem Nachdruck und Hingabe nach. Aber darüber hinaus war es an dem Schüler weitere Erkenntnisse zu suchen und nicht darauf zu hoffen, sie mögen einem in den Schoß fallen. Nun war die Frau allerdings auch erst wenige Zeit an der Schule und ihre Ansichten waren noch im Stadium eines Planes, einer Erwartung umgesetzt werden zu können, bis sie ihre neuen Schüler besser einschätzen konnte. Dieser erste Aufsatz, nicht nur in Leonoras Klasse war die Thematik daher besonders anspruchsvoll und würde schnell die Spreu vom Weizen trennen, war der Wegweiser und die Wünschelrute zeigte nun geradewegs auf niemand geringeren, als die vor ihrem Schreibtisch stehende Schülerin.
Welche auch sogleich auf ihren Punkt kam, den Inhalt des Aufsatzes. Eine, in Anbetracht dass eben jener Aufsatz vor ihr auf dem Tisch lag, recht wahrscheinliche Annahme als Grund dieses Termins. Edith persönlich hielt jedoch nicht viel von Spekulationen und Vermutungen, zu selten traf man, auch bei scheinbar offensichtlichen Fällen, nicht ins Schwarze und konnte sich durch geduldiges Abwarten des Erklärungsvortrages des Anderen unangenehme Vorurteilsabstempelung ersparen. Es sprach auf der anderen Seite aber auch von Selbstvertrauen, nicht immer ein positiver Charakterzug, kam es doch sehr stark auf die Ausprägung an und vor allem, was letztlich an tatsächlichem Können und Kenntnis dahinter stand. Im Weiteren konnte allerdings auch niemand Protzer leiden, selbst wenn das Selbstvertrauen gerechtfertigt war, oder Selbsternannte Mauerblümchen, denen man ihr Wissen dann vielleicht aus der Nase ziehen musste. Und weil es sich bei dem Thema eben um einen wahren Drahtseilakt handelte und um eben nicht in jene Vorurteile eines allzu schnellen Eindrucks zu verfallen, sagte die Hexe vorerst nichts dazu und, mit steinerner Miene die nicht über die inneren Gedankenvorgänge verriet, nickte nur bestätigend auf Leonoras Frage, ob der Grund ihres Erscheinens eben jener Aufsatz sein möge. Denn auch wenn die Gründe natürlich viel vielschichtiger waren, war der Aufsatz der Ausgangspunkt oder eher das auslösende Ereignis.
Und nach eben jenem knappen Nicken wies sie mit einer Hand auf den Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches, um das kommende Gespräch nicht in, für beide Parteien unangenehmer, Standposition zu führen. Die Hexe lehnte sich in ihrem Stuhl zurück, die Ellenbogen auf der Armlehne, die Fingerspitzen beider Hände zusammen vor dem Kinn, den Blick konzentriert auf die Schülerin gerichtet. „Zunächst ein mal.." Begann sie mit sachlicher ruhiger Stimme, die keinerlei Gefühlsregung verriet. „..haben Sie bereits eine nicht unbeachtliche Zeit vor dem Ende der Einreichungsfrist abgegeben. Ungewöhnlich und auch etwas unerwartet." Ihre Stimme verriet keine Wertung, lediglich eine bloße Feststellung einer nicht zu leugnenden Tatsache. „Sind Sie immer so schnell fertig?" Eine Trickfrage ohne Zweifel. Ja, sprach von mangeldem Zeitmanagement und fehlender Ersthaftigkeit. Nein, sprach von einer schlecht gestellten Thematik der Aufgabenstellung. Es gab keine richtige Antwort, jedenfalls nicht in dem Spektrum der für eine Ja/Nein Frage zu erwartenden Antwort.

Re: Leonora & Edith | Beginn von Leonora's 4. Schuljahr | Edith' Büro
von Leonora am 21.06.2026 14:39Während der letzte Schlag der Turmuhr noch durch die Korridore Ilvermornys nachhallte und sich mit jener eigentümlichen Stille vermischte, die alte Gemäuer in den Abendstunden anzunehmen schienen, erreichte Leonora die Tür des Büros von Professor Sayre mit der Selbstverständlichkeit einer Schülerin, die weder zu spät erscheinen noch sich durch übertriebene Pünktlichkeit hervortun wollte, denn beides, so hatte sie bereits vor Jahren festgestellt, verriet mehr über einen Menschen als die meisten glaubten. Der Weg zum Büro der Professorin war Nora nicht fremd. Seit Professor Sayres Ankunft hatte sie ihn mehrfach passiert, zunächst aus rein praktischen Gründen, später aus demselben Motiv, das sie seit Jahren dazu brachte, Menschen, Institutionen und Entwicklungen aufmerksam zu beobachten, bevor sie sich ein Urteil erlaubte. Neue Lehrkräfte waren niemals bloß neue Lehrkräfte. Sie brachten Ansichten mit sich, Prioritäten, Netzwerke, Überzeugungen, und besonders an einer Schule wie Ilvermorny, deren Mauern seit Generationen weit mehr bewahrten als bloß Unterrichtspläne, konnte eine einzelne Person das geistige Klima eines Hauses stärker verändern als manche Direktoren. Dass Edith Sayre einer der alten Reinblutfamilie entstammte, war kein Geheimnis. Dass die Sayres und die Lestranges, wie beinahe jede Familie ihres Standes, irgendwo zwischen den unzähligen Verzweigungen ihrer Stammbäume miteinander verbunden waren, ebenfalls nicht. Nora erinnerte sich dunkel daran, den Namen vor Jahren in einem genealogischen Register gelesen zu haben, vermutlich während einer jener langen Nachmittage in der Familienbibliothek, an denen sie ursprünglich nach etwas völlig anderem gesucht und sich schließlich in Jahrhunderten familiärer Verbindungen verloren hatte. Die genaue Linie hatte sie längst vergessen. Ihre Großtante, wenn sie sich richtig erinnerte...ein Zweig, der sich vor Generationen abgespalten hatte. Nichts, was in gesellschaftlichen Kreisen besondere Bedeutung besaß. Dennoch war es eine jener Informationen, die man behielt. Nicht weil sie wichtig waren, sondern weil man nie wusste, wann sie es werden konnten.
Als sie vor der Tür innehielt, war dieser Gedanke jedoch nur ein flüchtiger Schatten am Rand ihres Bewusstseins. Der eigentliche Grund ihres Erscheinens lag vermutlich auf Professor Sayres Schreibtisch. Ihr Aufsatz. Die Möglichkeit brachte ihre Mundwinkel beinahe unmerklich zum Zucken. Nicht aus Eitelkeit. Eher aus Neugier. Seit der ersten Unterrichtsstunde hatte die neue Professorin deutlich gemacht, dass sie Geschichte nicht als Ansammlung von Jahreszahlen verstand, sondern als Werkzeug zum Verständnis der Gegenwart. Eine Haltung, die die Schülerin bei Lehrkräften selten genug erlebt hatte, um ihr Aufmerksamkeit zu schenken. Viele Historiker schrieben über Ereignisse. Wenige beschäftigten sich mit Ursachen. Noch weniger mit den Menschen, die glaubten, selbst keine Rolle darin zu spielen. Gerade deshalb hatte ihr die Aufgabenstellung gefallen. Die politische und gesellschaftliche Entwicklung, welche Grindelwalds Aufstieg ermöglicht hatte, war letztlich weit interessanter als Grindelwald selbst. Männer wie er entstanden nicht im luftleeren Raum. Sie waren Symptome, keine Ursachen. Wer lediglich die Person betrachtete, übersah oft die Gesellschaft, die sie hervorgebracht hatte. Drei ruhige Schläge gegen die Tür unterbrachen ihre Gedanken. Nach der Aufforderung einzutreten öffnete sie die Tür und trat ein. Sofort glitt ihr Blick durch den Raum, nicht hastig, nicht neugierig. Vielmehr mit jener stillen Aufmerksamkeit, die ihr über Jahre zur Gewohnheit geworden war. Die Geschichten hatten nicht übertrieben. Das Büro wirkte beinahe irritierend makellos. Nicht die übliche Ordnung eines disziplinierten Menschen, sondern jene Form von Kontrolle, die etwas Grundsätzlicheres offenbarte. Jeder Gegenstand schien dort zu stehen, wo er stehen sollte. Jedes Buch hatte seinen Platz. Selbst das Licht, welches durch die Fenster fiel, schien sich in eine Struktur einzufügen, die der Raum längst vorgegeben hatte. Unwillkürlich fragte sie sich, ob Professor Sayre die Ordnung liebte oder ob sie sie brauchte. Eine interessante Unterscheidung. Die erste sprach von Vorlieben. Die zweite von Erfahrungen. Ihre Aufmerksamkeit blieb einen Augenblick bei der Sitzecke hängen, bei dem Tee, dem Gebäck und den sorgfältig arrangierten Möbeln, ehe sie schließlich die Frau hinter dem Schreibtisch ansah. Edith Sayre wirkte beinahe genauso, wie die Schüler sie beschrieben hatten. Kontrolliert. Aufmerksam. Nicht unfreundlich, aber auch nicht bemüht, freundlich zu erscheinen. Menschen, die sich ihrer Position sicher waren, hatten selten das Bedürfnis, sie durch übertriebene Wärme zu kaschieren. "Professor Sayre." Ihre Stimme durchbrach die Stille ruhig und klar. Sie trat näher und blieb in angemessener Entfernung vor dem Schreibtisch stehen. Ein Bild vollkommener Disziplin. Doch hinter ihren hellen Augen arbeitete bereits der Verstand. Die Einladung hatte sie überrascht, nicht beunruhigt. Ein Unterschied, den viele Menschen nicht verstanden. Überraschungen waren Informationen. Beunruhigend wurden sie erst, wenn man die Ursache nicht herausfinden konnte. Sie hatte den Aufsatz mehrfach durchdacht, seit die Nachricht sie erreicht hatte. "Sie wollten mich sprechen." Während sie sprach, fiel ihr Blick beinahe automatisch auf die Pergamentseiten auf dem Tisch. Ihren Aufsatz erkannte sie sofort. Die Handschrift war unverkennbar. Also doch. Nicht, dass sie eine andere Erklärung ausgeschlossen hätte, dennoch bestätigte sich damit eine Vermutung. Für einen Moment fragte sie sich, welcher Teil des Textes letztlich die Aufmerksamkeit der Professorin geweckt hatte. Fehler? Unwahrscheinlich. Plagiate? Ausgeschlossen. Unangemessene Schlussfolgerungen? Möglich. Geschichte war selten eine exakte Wissenschaft. Besonders nicht dort, wo Politik begann. War es die Analyse der Nachkriegsstimmung gewesen? Der Abschnitt über politische Radikalisierung? Ihre Schlussfolgerung, dass Gesellschaften häufig bereitwillig jene Freiheiten aufgaben, deren Verlust sie später am lautesten beklagten? Oder vielleicht etwas vollkommen anderes. Menschen lasen selten dieselben Texte. Sie lasen sich selbst darin. Langsam hob sie den Blick wieder. Ihre Haltung blieb gerade, ihre Hände hinter dem Rücken verschränkt. Sie hatte versucht zu beschreiben, weshalb Millionen bereit gewesen waren, ihm zuzuhören. Warum Gesellschaften überhaupt empfänglich für solche Figuren wurden. Geschichte begann ihrer Ansicht nach niemals mit einzelnen Menschen. Sie begann mit Bedingungen. Menschen waren lediglich die Funken. Das Pulverfass wurde von anderen gebaut. Ob Professor Sayre diese Sichtweise teilte, wusste sie nicht, aber allein die Themenwahl der Aufgabe ließ vermuten, dass die neue Lehrkraft zumindest ähnliche Fragen stellte. Und das machte sie interessant...sehr interessant sogar. Nora begegnete dem Blick der Professorin ohne Scheu. Die meisten Erwachsenen interpretierten direkten Blickkontakt bei Schülern als Herausforderung. Dabei war es oft lediglich Aufmerksamkeit. "Falls es um den Aufsatz geht," sagte sie nach einem Moment, "würde ich mich selbstverständlich über jede Kritik freuen." Ein winziger Anflug von Leben zeigte sich in ihren Augen. Nicht Unsicherheit. Neugier. "Insbesondere dort, wo meine Analyse möglicherweise zu eindimensional ausgefallen ist. Die Quellenlage zu einigen politischen Strömungen der Zeit ist zum Teil widersprüchlich." Die Formulierung war bewusst gewählt. Nicht Verteidigung. Nicht Rechtfertigung. Eine Einladung zur Diskussion. Etwas, das sie bei den meisten Lehrkräften vermied. Viele Professoren wollten Antworten hören, nur wenige wollten Gedanken hören. Ob Edith zu den wenigen gehörte, musste sich erst noch zeigen.
Leonora & Edith | Beginn von Leonora's 4. Schuljahr | Edith' Büro
von Edith am 19.06.2026 12:46Die vorteilhafte Position auf der Bergkuppe des Mount Greylock sorgte in den Gängen und Räuen der Ilvermorny Schule auch am zeitigen Abend noch für einen angenhmen Lichteinfall. Um diese sommerliche Jahreszeit zwar weniger verwunderlich, aber da ssich Edith' Büro auf der Nordseite befand, war der, direkt im Anschluss hinter dem Klassenzimmer für Geschichte der Zauberei befindliche, Raum gut ausgeleuchtet, auch ohne künstliche Lichtquellen, jedoch ohne den direkten Einstrahlwinkel auch eben nicht blendend, sodass man sich die Hand vor die Augen halten müsste, wenn man, wie Edith es in diesem Moment tat, aus dem Fenster sah. Ihr Blick schweifte über die Bäume an den Rändern des Berges und verlor sich in der endlosen Aussicht über die Landschaft. Die sauber manikürten Finger ihrer rechten Hand trommelten auf dem Fensterbrett einen undefinierbaren Takt, den Aufsatz, den sie in der Linken hielt verweilte in ihrem nach unten hängenden ausgestreckten Arm. Schwungvoll wandte sich die Frau vom Fenster ab, ihre Lieblingsrobe, tief schwarz lang und mit kurzem Kragen, wehte hinter ihr bis auch er zur Ruhe kam, als Edith ihre neue Position, zum Raum gewandt, eingenommen hatte. Dann ein weiteres Rascheln, als sie sich auf ihren Stuhl vor dem großen Schreibtisch setzte, der den Großteil des Bürus einnahm. Von allen Seiten, die nicht Fenster oder Tür waren, flankiert von Bücherregalen und in einer Ecke eine Sitzgelegenheit aus Couch, Sessel und Tisch auf welchem leckeres Gebäck und frisch aufgebrühter Tee stand, schwarz, wie es Edith am liebsten mochte. Der Raum war unangenehm nahtlos sauber und aufgeräumt, man könnte fast meinen, niemand würde ihn nutzen. Nur die auf dem Schreibtisch, säuberlich, verteilten aufgeschlagenen Bücher und Pergamente in kleinen Stapeln zeugten vom Gegenteil. Doch selbst das sanft durch das große Fenster einfallende Sonnenlicht, das durch den Raum schien, zeigte keine Anzeichen von fliegenden Staubpartikeln, bei der Menge an Büchern ein kleines Wunder. Natürlich schrieben viele Hexen ihres Blutes und Standes sich Makellosigkeit zu, aber bei Edith grenzte es an klinische Reinheit. Wer den Grund kannte würde nur schwach Lächeln, für ihre Kollegen und Schüler war es nur ein weitere Ausdruck ihrer Strenge.
Und mit eben jener kalten undurchdringlichen Miene sah die Frau nun wieder auf den Aufsatz, den sie in ihrer linken Hand haltend am Fenster gelesen hatte. Ein Aufsatz einer Schülerin. Einer ihrer ersten, die sie korrigierte. Vor wenigen Wochen erst hatte Edith Sayre ihren Posten als Professorin für Geschichte der Zauberei an der Ilvermorny Schule begonnen und auch wenn sie gleich mit Beginn großzügig Arbeit an ihre Schüler verteilt, hatte sie nicht so zeitnha mit den ersten Ergebnissen gerechnet und dann schon gar nicht mit solch vorzeigbaren. Ein Aufsatz ihrer vierten Klasse über die politische und soziale Lage die den fruchtbaren Boden bildete für die Machtergreifung Grindelwalds. Ein anspruchsvolles Thema mit vielen Facetten und Details und noch mehr Ansichten, die es herauszubilden, zu analysieren und einzuordnen galt. Als erstes Thema einer neuen Lehrkraft vieleicht etwas zu anspruchsvoll, meinten manche Kollegen. Magische Bildung, so Edith' Ansicht, endete jedoch nicht an der Spitze des Zauberstabes, sondern erdtreckte sich vielmehr auch auf das Pergament mit der Anleitung einen solchen herzustellen. Und genau das war Geschichte, der Ausgangspunkt, das Schema und die Anleitung nach der die magische Welt geformt worde zu der sie sie heute kannten. Niemand konnte einen Zaubertrank brauen ohne Anleitung. Niemand konnte pflanzen züchten ohne nahrhaften Boden. Niemand konnte Fliegen ohne einen Besen (in der Regel). Und auch wenn dem Aufsatz in ihrer Hand der Feinschliff geboren aus jahrelanger Erfahrung mangelte, hatte die lesende Hexe doch zum ersten mal das leise Gefühl, eine Schreiberin vor sich zu haben, die diese Wahrheit wahrhaftig verstehen könnte. Das verriet nicht nur die vorbildliche und lückenlose Recherche, sondern auch Ausdrucksweise, fachlich aber nicht zu hoch gestochen, die saubere Handschrift und natürlich, dass das werk bereits vor der Frist zu Abgabe eingereicht wurde, weit vor allen anderen Klassenkameraden.
Leonora Lestrange, bildete den Schluss des Aufsatzes und war der Name der Schülerin, deren klare Augen Edith von einem Foto aus ihrer Personalakte durchdringend ansahen, welche am vorderen rand auf ihrem Schreibtisch vor ihr lag. Die neue Professorin hatte sich natürlich zwar zu Beginn ihrer Amtszeit mit allen Schülerakten vertraut gemacht, hatte sich jedoch diese nun noch einmal ausgeliehen. Und während ihre Augen über die Leistungen der jungen Schülerin wanderten, war ihr etwas anderen ins Auge gefallen, der kurze Absatz über ihre Familienzugehörigkeit. Selbstverständlich kannte Edith den Nachnamen des Mädchens, wer würde auch bei dieser Familie nicht aufhorchen. Auch war ihr nicht unbekannt, dass die namhaften Reinblutfamilien irgendwie immer miteinander verwandt waren und selbstverständlich auch die Lestrange's mit den Sayre's. Aber die Namen ihrer Familie hatten die hexe stutzig gemacht, sodass sie, nur aus Vorsicht zunächst, um nicht etwas zu übersehen, was ihr auf die Füße fallen könnte, in den Büchern ihrer Familie nach detaillierteren und weitreicheneren Stammbäumen suchte und schließlich fündig wurde. Weit genug auseinander, um sich nicht auf Familienfeiern zu begegnen aber nahe genug, um als direkte Verwandschaft zu zählen.
Vorerst war diese Verbindung natürlich irrelevant und das kommende Treffen galt rein schulischen Belangen, aber nützlich war diese Information nichtsdestotrotz. So hatte Edith als Miss Lestrange zu einem Gespräch gebeten, nach Angaben über ihre eingereichte Arbeit und als die Uhr zur volen Stunde schlug, der vereinbarten Zeit, schlug Edith die Schülerakte zu, verstaute sie in einem Fach des Schreibtisches und sah erwartungsvoll auf die Tür.

Re: Beziehungen von Lumi Rajamaa
von Emma am 18.06.2026 14:45Emma: passt
Vlt für Edith eher was mit der Bezeichnung Lieblingsschüler? Da Bekannte auch irgendwie seltsam klingt bei Schüler-Lehrer Kombis
Re: Ungenutztes Klassenzimmer
von Arabella am 14.06.2026 23:08Ich hatte das Austauschprogramm von Anfang an begrüßt. Nicht, weil ich davon ausgegangen wäre, in Ilvermorny Freund:innen zu finden. Das Wort 'Freund:in' war immer noch etwas, das sich fremd in meinem Mund anfühlen würde, auch im Bezug auf Emma. Dafür vertraute ich anderen einfach nicht schnell genug. Ich war nach Ilvermorny gekommen, weil es fantastisch im Lebenslauf aussehen würde. Um mein Englisch auf seine Perfektion zu überprüfen. Und vielleicht, um Kontakte zu knüpfen - ursprünglich vor allem mit Erwachsenen. Zum Beispiel Lehrer beeindrucken, die ein Empfehlungsschreiben aufsetzen würden.
Obwohl ich sie also nicht als Freundin bezeichnen würde, war Emma eine angenehm überraschende Variable in dieser Gleichung. Natürlich hatte ich rein formal damit gerechnet, nützliche Bekanntschaften in der Schülerschaft machen zu können. Natürlich hatte meine Mutter darauf gedrängt, dass ich mich 'eingliederte'. Doch insgeheim war ich davon ausgegangen, dass alle oberflächlich und schludrig sein würden. Typisch anstrengende Teenager eben. Auf Emma traf das nicht zu. Sie war fleißig, intelligent und weltgewandt.
Als Emma fragte, ob sie das Merkblatt sehen könne, schob ich es ihr sofort zu und antwortete mit einem "na klar". Während sie las, spürte ich etwas Gleichaltrigen gegenüber sehr untypisches für mich in mir aufsteigen: Nervosität. Normalerweise war ich mir bei Gruppenarbeiten dessen bewusst, dass meine Arbeit makellos war und präsentierte sie entsprechend. Nun sagte ich: "Ich habe es bewusst knapp gehalten, um niemanden zu überfordern und Raum für eigene Ideen zu lassen. Wir können natürlich Beispiele hinzufügen." Dabei klang ich sachlich wie immer und hatte auch meinen Gesichtsausdruck unter Kontrolle. Einzig die Worte selbst könnten meine Unsicherheit verraten.












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