Catherine &' Arabella | Bahnsteig | vor circa 2 Jahren
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Re: Catherine &' Arabella | Bahnsteig | vor circa 2 Jahren
von Arabella am 08.05.2026 21:52
Re: Catherine &' Arabella | Bahnsteig | vor circa 2 Jahren
von Catherine am 08.05.2026 21:28Als das Gespräch in Richtung Schule überging, entging es mir nicht, dass Arabella ihre Worte sorgsam wählte. Auch wenn ihre Mimik sachlich gehalten war, schien sie mit den Worten die nun offensichtlichen Wahrheit zu umgehen. Sie hatte keine Freundschaften oder engere Bekanntschaften geschlossen. "Dir ist klar, dass das erste Schuljahr besonders wichtig ist, um Kontakte zu knüpfen? Ich hatte dir mehrfach verdeutlicht, dass die ersten Kontakte den Grundstein für ein gesamtes Netzwerk bilden. Und du hast dir ein Jahr Zeit gelassen? Ein Jahr, in welchem deine Mitschüler schon einen Vorsprung ausgebaut haben. Ein Vorsprung, der mit der Zeit schwerer und schwerer aufzuholen ist. Während du es weiter hinauszögerst, sind die anderen dir schon um Meilen voraus. Ehe du dich versiehst, könnte es sein, dass die Netzwerke schon so gefestigt sind, dass du in keines mehr hineinkommst!" Meine Stimme war lauter geworden und hallte im Auto wieder. Die Finger fester um das Lenkrad geschlossen, atmete ich hörbar ein und aus. Eine Pause, die mich die früheren Worte Arabellas revue passieren ließ.
Ich wandte meinen Blick zurück zu meiner Tochter und runzelte skeptisch die Stirn. "Was genau ist mit 'relevanten Fächern' gemeint?"
Re: Catherine &' Arabella | Bahnsteig | vor circa 2 Jahren
von Arabella am 08.05.2026 06:01"Das war sicherlich spannend", reagierte ich mit einem typischen Smalltalksatz auf ihre Aufzählung der Länder. Ich jedenfalls hätte es spannend gefunden, all diese Deligierten zu treffen. Was ich auf ihren nächsten Satz sagen sollte, wusste ich nicht genau, also nickte ich nur. Er wich zu sehr von der gewohnten Förmlichkeit in diesen Kreisen ab, die oft auch zwischen meiner Mutter und mir herrschte.
Anschließend fragte sie mich, wie die Schule gewesen war, und ich wurde innerlich ein wenig nervös, zeigte das aber natürlich nicht. Sollte ich ihr gleich von meinem nicht ganz perfekten Zeugnis erzählen? Vermutlich war es besser so. Sie würde schon wütend genug sein, da war es ganz und gar nicht förderlich, wenn dieses Gefühl noch dadurch unterstützt wurde, dass ich sie angelogen bzw. ihr zumindest etwas verheimlicht hatte. "Zum mit Abstand größten Teil gut", antwortete ich also vorsichtig und setzte gleich noch hinzu: "Ich gehe davon aus, dass die Lehrer aller relevanten Fächer von mir angetan sind." Das entsprach immerhin der Wahrheit. Ich betrachtete den Flugunterricht von allen Fächern als mit Abstand am wenigsten relevant - wann sollte es schon notwendig sein, dass ich auf einem Besen flog? Es gab in der magischen Welt schließlich deutlich schnellere und allgemein relevantere Reisemöglichkeiten. Die einzige Angelegenheit, die Begabung im Besenflug voraussetzte war Quidditch (okay, in den USA zusätzlich Quodpot, wie ich natürlich wusste) und für meine geplante Karriere musste ich das nun wirklich nicht aktiv betreiben. Ganz abgesehen davon, dass es mich persönlich kein bisschen interessierte. Die Frage nach meinen Kontakten beantwortete ich mit: "Ich habe versucht zu erahnen, zu wem engerer Kontakt zukünftig sinnvoll sein würde, aber es hat sich noch nicht herausgestellt." Das war natürlich eine Umschreibung dafür, dass ich keine engeren Kontakte geknüpft hatte, und das würde meine Mutter selbstverständlich sofort durchschauen. Die Angst davor war mir äußerlich zwar nicht anzumerken, innerlich aber nur allzu präsent.

Re: Catherine &' Arabella | Bahnsteig | vor circa 2 Jahren
von Catherine am 06.05.2026 22:23Ich ließ mich auf dem Fahrersitz nieder und zupfte meinen Hut zurecht, obwohl ich wusste, dass er verzaubert war perfekt zu sitzen. "Bei den Treffen heute waren viele der prominenteren Delegierten aus ganz Asien und Europa dabei. Inklusive Japan, China, Singapur, Australien, Indien, Thailand, Vietnam und viele weitere." Viele Lander, viele Meinungsverschiedenheiten. "Beim Essen heute sind grundsätzlich alle eingeladen, aber machen wir uns nichts vor, die Europäischen Deligierten werden wohl früher abreisen." Ein Luxus, der mir als Gastgeberin und Leiterin der Abteilung für Internationale Magische Beziehungen verwehrt blieb. Ich hatte meine Tochter schon lange nicht gesehen und hätte durchaus lieber den Abend damit verbracht einen besseren Einblick in ihr Schulleben zu bekommen.
"Wie war die Schule, Arabella, Schatz? Hast du gut Bekanntschaften geknüpft?" Die Tatsache, dass sie alleine aus dem Zug gestiegen war, bereitete mir Sorgen. "Konntest du die Lehrer beeindrucken." Der Motor des Autos erwachte stotternd und der Wagen setzte sich in Bewegung. Der Nachteil an einem Peugeot, der von wortwörtlich von magischer Hand gefahren wurde, war, dass man wegen der Muggel trotzdem so tun musste, als würde man fahren.
Re: Catherine &' Arabella | Bahnsteig | vor circa 2 Jahren
von Arabella am 06.05.2026 12:26Ich erahnte nicht, dass meine Mutter früher selbst Probleme mit Gleichaltrigen gehabt hatte. Für mich war sie trotz ihres oft einschüchternden Verhaltens mir gegenüber ein Vorbild. Schließlich hatte sie mit ihren 33 Jahren bereits einen der wichtigsten Posten im belgischen Zaubereiministerium inne. Somit ging ich unterbewusst automatisch davon aus, dass sie bereits ihr ganzes Leben lang perfekt darin gewesen war, sich in ihr Umfeld einzufügen und es zu ihren Gunsten zu nutzen.
Als sie meinte, sie könne mir nicht viele Details geben, nickte ich nur. Das war ich schon gewohnt, wenn es um Fragen zu ihrer Arbeit ging. Ich war allerdings auch schon gewohnt, dass sie mir trotzdem so viel wie möglich darüber sagte. Vermutlich gefiel es ihr, wenn ich Interesse an ihrem Beruf zeigte. Es war immerhin ein unausgesprochenes Übereinkommen zwischen uns, dass ich irgendwann ebenfalls im Ministerium anfangen würde; vermutlich sogar in ihrer Abteilung, wenn man meine (nach außen hin natürlich im Zaum gehaltene) Begeisterung für das Erlernen von Fremdsprachen bedachte. "Welche Länder sind denn alles dabei?", wollte ich wissen und meinte damit nicht nur die asiatischen, sondern auch den Rest der Welt. Eine Vereinheitlichung des magischen Rechts würde sich bestimmt nicht nur auf Belgien und Asien beziehen. Ich vermutete, dass zumindest Vertreterinnen und Vertreter weiterer europäischer Länder anwesend sein würden.
Beim Auto angekommen schenkte meine Mutter mir ein Lächeln. Einerseits freute ich mich darüber, andererseits rief es mir wieder ins Gedächtnis, dass sie vermutlich nicht mehr lange so freundlich zu mir sein würde, wenn sie mein Zeugnis sah. So oder so antwortete ich mit einem artigen "Danke", während ich einstieg.

Re: Catherine &' Arabella | Bahnsteig | vor circa 2 Jahren
von Catherine am 06.05.2026 11:45Arabellas Gesichtsausdruck war undurchschaubar. So wie meiner, wenn ich nicht wollte, dass man meine Schwächen erahnen konnte. Ich hoffte nur, dass sie das nicht davon abhielt ein paar gute Kontakte in ihrer Schullaufbahn zu knüpfen. Immerhin waren die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie später einmal beruflich mit ihren früheren Mitschülern zusammenarbeiten musste. Ich selbst hatte selbst gerade am Anfang meiner Schulzeit nur wenige Bekanntschaften schließen können.
Ich zögerte etwas mit meiner Antwort auf ihre Frage, sodass für ein paar Sekunden nur das Kratzen der Rollen des Koffers auf dem Asphalt zu hören war. "Ich kann dir wegen der Vertraulichkeit in meinem Beruf leider nicht viele Details geben", setzte ich an, doch wollte ihre Neugier auf meine beruflichen Tätigkeiten nicht gänzlich unbeantwortet lassen. "Ich kann dir nur sagen, dass es um die internationale Vereinheitlichung Magischen Rechts geht. Ein gemeinsamer Grundbaustein würde zukünftige Verhandlungen und internationale Affären deutlich vereinfachen." Verhandlungen mit den asiatischen Ländern waren nie einfach, da die einzelnen Länder Asiens auch untereinander deutlich auseinandergehende Meinungen vertraten. Wenn wir viel Glück hatten, würde es überhaupt zu einer Einigung kommen.
Ich kam vor meinem Peugeot, zu stehen, um das Gepäck in den Kofferraum zu verladen und öffnete anschließend die Beifahrertür für meine Tochter. "Willkommen zurück", ich versuchte mich, trotz dem Stress in der Arbeit, an einem Lächeln.
Re: Catherine &' Arabella | Bahnsteig | vor circa 2 Jahren
von Arabella am 06.05.2026 09:19Mein Gesichtsausdruck war wie (fast) immer neutral, genau wie mein Tonfall, sodass es meiner Mutter eigentlich nicht gelingen dürfte, irgendetwas daraus zu lesen. Ich wusste, dass sie das nicht immer guthieß, aber gerade im Umgang mit Gleichaltrigen war das ein recht einfacher Schutzmechanismus, da ich diese recht schlecht einschätzen konnte. Immerhin hatte ich bis zu meiner Einschulung in Beauxbatons kaum welche getroffen - so hatte ich doch meine Grundschulbildung von einer Privatlehrerin erhalten. Bei Erwachsenen jedoch war es recht einfach einzuschätzen, was diese von einem Kind wie mir erwarteten, weshalb ich bei internationalen Banketts o.Ä. durchaus charmant sein konnte. Meine Mutter dagegen war sowieso immer unzufrieden mit mir und in ihrem Verhalten auch nicht ganz berechenbar; manchmal zeigte sie mir zwar ihre Zuneigung, konnte im nächsten Moment allerdings wieder kühl und fordernd sein. Damit war Neutralität ihr gegenüber wohl am sichersten.
"Weshalb habt ihr denn mit denen zu tun?", fragte ich nun aus ehrlicher Neugier heraus, als sie mir von dem Essen mit den Delegierten aus Asien erzählte. In der Zeitung, die ich natürlich regelmäßig las, hatte nichts von einem Besuch einer Delegation aus Asien gestanden, aber das hatte nicht viel zu bedeuten. Häufig schafften es erst die Ergebnisse dieser Treffen in den Politikteil. Abgesehen davon war ich natürlich froh, dass ich mir nicht den ganzen Abend ihre Vorwürfe würde anhören müssen. Ich machte mir selbst schon genug davon.

Re: Catherine &' Arabella | Bahnsteig | vor circa 2 Jahren
von Catherine am 05.05.2026 23:13Mit verschränkten Armen beobachtete ich, wie meine Tochter die den Ticketautomaten bediente. Diese Automaten müssten auch mal von Grund auf überholt werden, denn als zeiteffizient konnte man sie definitiv nicht bezeichnen. Der Automat klappte, wie eine sehr ungeölte Tür, auf und gab den Weg zur Nossegem S-Bahn Station frei und wir konnten unsere Zauberstäbe wieder einsammeln. Nach einem kurzen Seitenblick zur grün leuchtenden Muggel-Warnlampe traten wir, Koffer voran, hinüber und damit aus einem weiteren Automaten heraus, der in einer abgeschiedenen Ecke der Station stand. Von hier ab mussten wie wohl oder übel Gebrauch von den lauten Rollen am Koffer machen, um nicht die Aufmerksamkeit der Muggel auf uns zu lenken.
Als Arabella auf dem Weg zum Auto danach fragte, ob ich diesen Abend daheim sein werde, stutzte ich kurz. Es war nicht typisch für sie danach zu fragen. Fragte sie, weil auf einmal Zeit mit mir verbringen wollte - und ich hatte recherchiert, dass das normalerweise das Alter wäre, in dem Teenager lieber in ihrem Zimmer vegetierten - oder hatte sie andere Beweggründe? Ich sah zu ihr hinüber und versuchte ihren Gesichtsausdruck zu deuten. "Leider nein, es gab eine spontane Planänderung. Ein Essen mit den Delegierten aus Asien."
Re: Catherine &' Arabella | Bahnsteig | vor circa 2 Jahren
von Arabella am 05.05.2026 22:06Natürlich entdeckte meine Mutter mal wieder einen Makel an mir - genauer gesagt an meiner Schulter. "Nein, sie ist in meinem Koffer", antwortete ich ehrlich, als sie fragte, ob ich die Fuselbürste verlegt hätte. Diese hatte ich gestern Abend erst benutzt, ich konnte mir also nicht wirklich erklären, warum ich schon wieder Staub an der Schulter hatte. Vermutlich war er von der Gepäckablage heruntergerieselt, als ich meinen Koffer darauf plaziert hatte (natürlich mit einem letzten Schwebezauber, meine Armmuskulatur war nicht annähernd trainiert genug dafür). Als sie mich aufforderte, ihr zum Auto zu folgen, nickte ich nur. Allerdings war ich sehr froh, als sie den Zauber wirkte, der den Koffer neben uns her schweben ließ.
Als wir uns durch die Menge hindurch zum Kartenautomaten quetschten, fiel mein Blick unweigerlich auf all die sich umarmenden Familien. Selbstverständlich hatte ich mit solch einer Begrüßung nicht gerechnet. Ich konnte mich nicht einmal erinnern, wann meine Mutter mich das letzte Mal mit mehr als ihren Fingerspitzen (und das auch nur zu praktischen Zwecken) berührt hatte. Dennoch kam ich nicht umhin zu bemerken, dass wir mit unserer körperlichen Distanz hier eine Ausnahme waren. Kurz stellte ich mir vor, wie es wohl wäre, wenn wir uns in den Armen liegen würden - eine seltsame, wenn nicht gar unangenehme Vorstellung. Außerdem würde diese Darstellung unserer Gefühle uns unnötig angreifbar machen.
So oder so war ich froh, als wir den Automaten erreicht hatten. Nachdem wir die richtige Tastenkombination gedrückt und uns mit einem magischen Scan unserer Zauberstäbe (man musste sie dafür in das Ticketausgabefach legen) als Magierinnen identifiziert hatten, konnten wir unsere gewünschte Bahnstation in Belgien ansagen und durch den Automaten hindurch in die entsprechende Bahnhofshalle treten. Während wir uns auf den Weg zum Parkplatz machten, fragte ich: "Bist du heute Abend zu Hause?" Abgesehen davon, dass ich wissen wollte, wie viel Zeit sie haben würde, um mich ihren Ärger über mein Zeugnis spürenzulassen, war etwas Smalltalk nie verkehrt. Sie hielt mir ja regelmäßig vor, dass ich zu still sei.

Re: Catherine &' Arabella | Bahnsteig | vor circa 2 Jahren
von Catherine am 05.05.2026 21:11Arabella war set wir uns das letzte Mal gesehen hatten schon wieder etwas gewachsen. Wie sehr die Zeit vergeht. Ihr auftreten war kalkuliert und markellos. Fast. Mein Blick blieb an ihrer Schulter hängen. Möglichst unauffällig strich ich ihr mit einer wischbewegung den Staub von der Schulter, der sich dort anscheinend im Laufe des Tages angesammelt hatte. "Hast du etwa die magische Fuselbürste verlegt, die ich dir zu deiner Einschulung geschenkt hatte?". Ich seufzte. "Komm, wir gehen zum Auto." Ich zückte meinen Zauberstab und ließ ihren Koffer neben mir, knapp über dem Boden schweben. Es musste ja nicht jeder hier sehen, wie schwer er war. Arabella könnte ruhig etwas Krafttraining gebrauchen, besonders wenn sie keine Schwäche nach außen hin zeigen wollte. Schwungvoll kehrte ich mich vom Zug ab und lief in Richtung des verzauberten Kartenautomaten, der Ausgang meiner Wahl. Wir würden uns sicher nicht mit den anderen Zaubererfamilien durch das Flohpulvernetzwerk quetschen - eine viel zu staubige Reisemöglichkeit. Mit einem kurzen Blick über die Schulter vergewisserte ich mich, dass Arabella mir folgte.








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