Ungenutztes Klassenzimmer
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Re: Ungenutztes Klassenzimmer
von Arabella am 14.06.2026 23:08Ich hatte das Austauschprogramm von Anfang an begrüßt. Nicht, weil ich davon ausgegangen wäre, in Ilvermorny Freund:innen zu finden. Das Wort 'Freund:in' war immer noch etwas, das sich fremd in meinem Mund anfühlen würde, auch im Bezug auf Emma. Dafür vertraute ich anderen einfach nicht schnell genug. Ich war nach Ilvermorny gekommen, weil es fantastisch im Lebenslauf aussehen würde. Um mein Englisch auf seine Perfektion zu überprüfen. Und vielleicht, um Kontakte zu knüpfen - ursprünglich vor allem mit Erwachsenen. Zum Beispiel Lehrer beeindrucken, die ein Empfehlungsschreiben aufsetzen würden.
Obwohl ich sie also nicht als Freundin bezeichnen würde, war Emma eine angenehm überraschende Variable in dieser Gleichung. Natürlich hatte ich rein formal damit gerechnet, nützliche Bekanntschaften in der Schülerschaft machen zu können. Natürlich hatte meine Mutter darauf gedrängt, dass ich mich 'eingliederte'. Doch insgeheim war ich davon ausgegangen, dass alle oberflächlich und schludrig sein würden. Typisch anstrengende Teenager eben. Auf Emma traf das nicht zu. Sie war fleißig, intelligent und weltgewandt.
Als Emma fragte, ob sie das Merkblatt sehen könne, schob ich es ihr sofort zu und antwortete mit einem "na klar". Während sie las, spürte ich etwas Gleichaltrigen gegenüber sehr untypisches für mich in mir aufsteigen: Nervosität. Normalerweise war ich mir bei Gruppenarbeiten dessen bewusst, dass meine Arbeit makellos war und präsentierte sie entsprechend. Nun sagte ich: "Ich habe es bewusst knapp gehalten, um niemanden zu überfordern und Raum für eigene Ideen zu lassen. Wir können natürlich Beispiele hinzufügen." Dabei klang ich sachlich wie immer und hatte auch meinen Gesichtsausdruck unter Kontrolle. Einzig die Worte selbst könnten meine Unsicherheit verraten.









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