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Re: Klassenzimmer für Alte Runen
von Leonora am 14.06.2026 19:04Da war sie also. Für einen Moment sagte Nora nichts. Nicht, weil sie überrascht gewesen wäre. Überraschung war ein seltenes Gefühl. Die meisten Ereignisse kündigten sich an, lange bevor sie tatsächlich eintraten. Menschen hinterließen Spuren, Geräusche, Entscheidungen...selbst jene, die sich für besonders unauffällig hielten, verrieten ihre Anwesenheit meist auf die eine oder andere Weise. Nein. Was ihre Aufmerksamkeit stattdessen fesselte, war die Art, wie das Mädchen vor ihr reagierte. Die meisten Schüler verfielen in eine von zwei Kategorien, sobald sie nach der Nachtruhe von einer Vertrauensschülerin oder Lehrkraft aufgegriffen wurden. Die erste begann sofort, Entschuldigungen zu suchen. Die zweite versuchte zu verschwinden, bevor überhaupt ein Gespräch entstehen konnte. Dieses Mädchen tat weder das eine noch das andere. Sie trat aus ihrem Versteck hervor, als hätte sie selbst entschieden, den richtigen Zeitpunkt dafür zu wählen. Die lässige Haltung wirkte beinahe provokant, das schiefe Lächeln auf ihrem hübschen Gesicht noch mehr. Selbst aus der Entfernung konnte Nora erkennen, dass sich hinter der Fassade durchaus Nervosität verbarg. Nicht viel. Gerade genug, um glaubwürdig zu bleiben. Ihr Blick ruhte einen Augenblick länger auf ihr. Nicht unangenehm lange, aber lange genug, um sie wirklich wahrzunehmen. Das dunkle Haar. Die Tatsache, dass sie offenbar in Strümpfen unterwegs war. Vor allem aber ihr Akzent, nicht amerikanisch, nicht britisch. Osteuropa, vermutete sie. Der leichte Fehler in ihrer Wortwahl bestätigte den Verdacht zusätzlich. Eine Austauschschülerin aus Durmstrang. Die Erkenntnis stellte sich mit derselben Selbstverständlichkeit ein wie andere Menschen einen Namen erkannten. Ilvermorny hatte in den vergangenen Wochen genügend Gespräche über die Neuankömmlinge geführt. Man musste lediglich zuhören. Ein kaum sichtbares Lächeln berührte ihre Lippen. "Nicht die häufigste", erwiderte sie schließlich ruhig. Ihre Stimme blieb höflich, beinahe freundlich. Gerade deshalb war oft schwer zu erkennen, was sie tatsächlich dachte. "Die häufigste lautet gewöhnlich: Ich wollte nur kurz etwas holen." Für einen Moment schien sie die Aussage abzuwägen. "Bemerkenswerterweise benötigen manche Schüler mehrere Stunden für diesen Vorgang." Das schwache Lächeln blieb bestehen. Der Nordturm lag wieder still zwischen ihnen. Irgendwo weiter entfernt knackte altes Holz in den Wänden. Durch eines der hohen Fenster fiel Mondlicht über den Boden und zeichnete silberne Muster auf die Dielen. Nora ließ ihren Blick kurz den Korridor entlanggleiten. Leer, zumindest auf den ersten Blick. Sie fragte sich unwillkürlich, ob das Mädchen tatsächlich allein unterwegs war. Menschen, die nachts durch ein fremdes Schloss schlichen, taten das selten ohne konkreten Grund. Noch seltener taten sie es in einem Turm, den sie kaum kannten. Ihr Blick kehrte zu ihr zurück. "Entweder besitzt du einen bemerkenswert schlechten Orientierungssinn oder einen bemerkenswert guten Grund, ausgerechnet um diese Uhrzeit durch den Nordturm zu streifen." Die Worte waren leicht, fast beiläufig. Doch hinter ihnen arbeitete ihr Verstand bereits weiter. Menschen logen oft. Das war nicht weiter schlimm. Interessant wurde es erst, wenn man herausfand, weshalb. Nora hatte nie verstanden, weshalb andere so viel Energie darauf verwendeten, Lügen zu entlarven. Die meisten waren ohnehin offensichtlich. Viel aufschlussreicher war die Frage, was jemand schützen wollte. Angst. Geheimnisse. Loyalitäten. Wünsche. Die eigentliche Wahrheit lag selten in den Worten selbst.
Sie bemerkte, dass ihre Finger noch immer auf dem Einband ihres Notizbuches ruhten. Fast unbewusst lockerte sie den Griff. Das Mädchen wirkte nicht wie jemand, der Ärger suchte. Zumindest nicht die gefährliche Art von Ärger. Sie erinnerte Nora eher an jene Sorte Mensch, die Regeln weniger als Grenzen und mehr als unverbindliche Empfehlungen betrachtete. Eine Haltung, die sie selbst nie geteilt hatte und die sie gleichzeitig seltsam nachvollziehen konnte. Nicht jede Regel verdiente Respekt. Nur die guten. Die meisten Schüler verstanden lediglich den Unterschied nicht.
"Keine Sorge." Ihre Stimme durchbrach erneut die Stille. "Wenn ich Strafdienste verteilen wollte, hätte ich das Gespräch vermutlich anders begonnen." Ein schwacher Windzug strich durch den Korridor. Irgendwo hinter ihnen flackerte eine der Wandlaternen und tauchte die Schatten für einen Moment in Bewegung. Nora beobachtete die Reaktion ihres Gegenübers. Nicht aus Misstrauen. Aus Gewohnheit. Sie beobachtete beinahe jeden. Manche Menschen sammelten Briefmarken, andere sammelten Zaubererkarten. Sie sammelte Eindrücke. "Allerdings", fuhr sie nach einem Moment fort, "macht mich etwas neugierig." Sie neigte den Kopf leicht. "Der Ostturm liegt auf der anderen Seite des Schlosses." Wieder dieses kaum merkliche Lächeln. "Und ich bezweifle stark, dass du mitten in der Nacht durch mehrere Korridore, Treppenhäuser und Gemeinschaftsbereiche gelaufen bist, nur um die architektonischen Besonderheiten des Nordturms zu bewundern." Ihre stahlblauen Augen ruhten aufmerksam auf der jüngeren Schülerin. Nicht streng. Nicht wertend. Vielmehr wie jemand, der ein interessantes Buch aufgeschlagen hatte und nun überlegte, welches Kapitel als Nächstes folgen würde. "Also, Nevenka..." Ihr Blick glitt kurz zu der verschlossenen Tür neben dem Mädchen und wieder zurück, während ihr der Name ihrer Mitschülerin so mühelos über die Lippen glitt. Sie waren sich erst einmal begegnet und das war schon einige Jahre her...doch ihre Stärke war es nun einmal zu beobachten, Informationen zu sammeln und Verknüpfungen herzustellen... "Was treibt dich um diese Uhrzeit hier her?" Die Frage hing zwischen ihnen in der Dunkelheit. Nicht fordernd. Nicht einmal besonders neugierig. Doch wenn die vergangenen Jahre Nora eines gelehrt hatten, dann dies: Die interessantesten Geschichten begannen selten mit den Menschen, die sich an Regeln hielten. Sondern mit denen, die nachts durch fremde Korridore schlichen und dabei glaubten, niemand würde sie bemerken.
Re: Beziehungen von Nora Lestrange
von Lumi am 14.06.2026 17:15Hier möchte ich mit Sèraphine und Lumi etwas?
Re: Beziehungen von Lumi Rajamaa
von Lumi am 14.06.2026 17:13Emma: gerne Feinde
Prof. Sayre: bekannte da Lehrer/in aber gute Bekannte vielleicht
Nevenka: beste Freunde gerne, Freundschaft+ und vielleicht willst du noch etwas weiteres.
Re: Klassenzimmer für Alte Runen
von Nevenka am 14.06.2026 13:56Das seltsamste an den Nächten hier war die Dunkelheit. Schwarze Finsternis hüllte das Schloss in ihren Mantel, die einzige Lichtquelle das fahle Mondlicht, das gespenstisch am Himmel glühte, aber nicht vermochte, die Zimmer wirklich zu erhellen. Die Dunkelheit gepaart mit der warmen Sommerluft erinnerte sie an Zuhause, an Familie. Durmstrang lag so weit oben im Norden, dass die Sonne bereits Ende Frühling und im Frühsommer niemals unterging und ihr gleißend helles Licht stets die Nächte erleuchtete. Die weißen Nächte. Zuhause in Bulgarien während der Sommerferien aber, da herrschte abends schon Dunkelheit am Himmel. Doch jetzt, während des Schuljahrs zu dieser Jahreszeit, war sie an den schwarzen Nachthimmel gar nicht gewöhnt. Vielleicht einer der Gründe, warum Nevenka noch kein bisschen Müdigkeit verspürte. Das, oder weil sie gerade dabei war, mehrere Schulregeln gleichzeitig zu brechen. Und zwar mit voller Absicht. Regeln waren für sie eher... Handlungsvorschläge, die eine langweilige und spaßbefreite Existenz auf dem schnellsten Wege garantierten. Und Schlaf entfloh ihr ohnehin. Außerdem hatte sie im ganzen Trubel mit der Ankunft an eine völlig andere Schule inklusive anderer Kultur und teilweise anderen Fächern bisher noch wenig Zeit gehabt für nächtliche Eskapaden mit ihren Freunden. Die sich allerdings bei der Einteilungszeremonie für Horned Serpent entschieden hatten, weswegen sie beim Abendessen beschlossen hatten, sich oben auf dem Nordturm zu treffen. Anscheinend konnte man vom Turmzimmer aus durch eine Luke direkt aufs Dach des Turmes. Auch das erinnerte Nevenka wieder an Zuhause. Unter dem nächtlichen Sonnenlicht hinter einem versteckten Vorsprung auf dem Schuldach sitzen, mit Blick auf den schwarzen Bergsee mit einer herumgereichten Flasche Wodka gegen die Kälte, die auch im Sommer nie ganz aus den Knochen wich.
Also warf sich Nevenka ihren dunkelroten Morgenmantel über und verstaute in dessen Taschen links ein, teils schon zerfleddertes, Zauberschnippschnapp Kartendeck, das sie aus nostalgischen Gründen noch nicht ersetzt hatte, und eine Flasche Schlaftrunk, in der sich natürlich Alkohol und kein Einschlafelixir befand, und rechts ihren Zauberstab. Sie war schon zuoft nachts irgendwo hingeschlichen, dass sie aus Erfahrung wusste, dass man strümpfig viel besser unauffällig unterwegs war als in irgendwelchen Schuhen. Deswegen tappte sie so ausgerüstet leise an den anderen, bereits schlafenden Mädels in ihrem Schlafsaal vorbei. Was für Langweilerinnen. Immerhin konnte so niemand petzen, was niemand mitbekam. Im Gemeinschaftsraum des Hauses dagegen saßen noch ein paar flüsternd zusammen, die zwar erst aufschreckten, aber sich dann sofort merklich entspannten und zu ihrem Gespräch zurückkehrten. Klar, Nevenka war ja keine Vertrauensschülerin, die hier alle in ihre respektiven Schlafsäle verwies. Es war schon deutlich leichter, sich mit Menschen innerhalb eines Hauses nachts zu treffen. Die anderen hier mussten sich immerhin nicht durch die halbe Schule schlagen. Etwas genervt, aber auch freudig erwartungsvoll, verließ sie den Gemeinschaftsraum und betrat den Korridor. Wenn sie nicht vorher schon hellwach gewesen wäre, wäre sie das spätestens jetzt. Ein Gefühl der Aufregung kribbelte in ihrer Brust. Der Nervenkitzel verbotener Aktionen. Leise schlich sie die schon vertrauten Korridore des Ostturms entlang. Sie wagte nicht, ihren Zauberstab mit einem einfachen Lumos zu erleuchten, ging aber dank der geheimnisvoll flackernden Lichter an den Wänden sowieso nicht ganz im Dunkeln. Im Nordturm unbemerkt angekommen, steuerte sie die große Wendeltreppe nach oben an. Nevenka kannte sich hier nicht gut aus, Finnley hatte bei ihrer Tour an ihrem ersten Tag hier die Türme aufgrund der unfassbaren Größe des Schlosses und der mangelnden Zeit quasi ausgelassen. Theoretisch befand sich das Klassenzimmer für Geschichte der Zauberei hier irgendwo, aber diese Langeweile hatte sie sich bisher noch nicht oft angetan. Deswegen konnte sie ihre Besuche im Nordturm gerade mal an einer Hand abzählen. Eigentlich musste sie ja nur der Treppe nach oben folgen. Die schien aber hier vor ihr zu enden und in einen weiten Korridor zu münden. Vermutlich führt eine weitere weiter nach oben. Innerlich seufzend und definitiv nicht reflektierend, dass sie nicht so stolz hätte sein sollen und sich unten treffen und den Weg von ihren Freunden gezeigt bekommen hätte können, lief sie weiter voran. Sie würde sich auf jeden Fall nicht eingestehen, dass sie sich verlaufen hatte. Hatte sie ja auch nicht. Die Treppe musste ja irgendwo ganz in der Nähe sein. Nevenka huschte weiter durch die Dunkelheit, vorsichtig darauf bedacht, kein Geräusch zu erzeugen. Da knarzte eine Diele des Holzbodens.
Es war nur ein ganz leises Knarzen, aber durch die nächtliche Stille schien es ihr wie ein Knallen eines fehlgeleiteten Zauberspruchs durch die Gänge zu schallen. Die kleinsten Geräusche wirkten nachts verstärkt. Innerlich fluchte sie über ihr Unwissen dieser Stelle. In Durmstrang kannte sie sich nach fünf Jahren so gut aus, dass sie die Kontrollgänge der Lehrkräfte und Vertrauensschüler auswendig kannte, wusste, wo sich Falltüren und Geheimgänge befanden und hatte mit dem Steinboden nicht mit knarzenden Dielen zu rechnen. Unwillkürlich fühlte sie sich beobachtet, bemerkt. Aber das war vermutlich nur Einbildung. Sie setzte ihren Weg weiter fort, aber langsamer, um ja kein weiteres Geräusch zu verursachen. Die nächste Wandleuchte flackerte, wirkte fast schon bedrohlich. Ihr Nacken kribbelte unangenehm. Instinktiv spürte sie, dass sie entdeckt worden war, auch wenn sie weder Schemen noch Schatten einer weiteren Person ausmachen konnte. Unwillkürlich flüchtete sie sich einen Schritt zurück, hinter die Ecke des Ganges, vorbei an einer verschlossenen Tür zu einem Klassenzimmer. Sie presste sich an die Wand, versuchte ihren Atem zu beruhigen, der durch die Aufregung etwas schneller geworden war. Da waren definitiv Schritte. Obwohl sie schon damit rechnen konnte, lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken, als eine Stimme durch die Stille der Nacht schnitt. Verdammt. Sie wäre gerne einfach hier, noch von der Ecke verborgen stehen geblieben, aber ihr war natürlich klar, dass ihr "Versteck" sofort bemerkt werden würde, wenn die junge Frau, der die Stimme gehörte, noch zwei Schritte weiterging. Noch einmal durchatmend glitt sie also von ihrem Platz an der Wand hervor, ging um die Ecke und stand einer Person gegenüber. Nur beleuchtet von der nächsten altmodischen Wandlampe konnte sie nicht genau ausmachen, wer da vor ihr stand. Das golden schimmernde Metallabzeichen der Schulsprecherin glänzte aber im schwachen Kerzenschein der Lampe. Besser, als von einer Lehrkraft aufgelesen zu werden, immerhin. Und sie würde sich auf jeden Fall nicht einfach still ihrem Schicksal fügen, sondern wenigstens versuchen, sich hier rauszureden. Ihre Freunde warteten immerhin noch auf sie. Und die Schülerin vor ihr wirkte deutlich entspannter als sie gedacht hatte. Mit einem Selbstbewusstsein, das sie nie ablegte, stützte sie sich lässig mit einem Arm an der Wand ab, als hätte sie jedes Recht der Welt, gerade hier zu sein. "Ist das echt die Ausrede, die du am öftesten hörst?" fragte sie locker mit einem neckischen Lächeln auf ihren Lippen. Schelm blitzte in in ihren Augen. Auch ihre Stimme war fest, keine Spur von dem mulmigen Gefühl in ihrem Bauch, wenn sie an den Strafdienst dachte, der ihr das hier vielleicht einbrocken würde. Was ihr aber selbst auffiel, sobald ihr die Worte aus dem Mund geglitten waren, war ihr Englisch. Klar, ihr bulgarischer Akzent war immer herauszuhören, aber irgendwas an dem 'am öftesten' hörte sich für sie selbst schon falsch an. Egal, ein kleiner Sprachfehler war ihr in so einer Situation ja wohl verziehen.

Re: Sam &' Finnley | zu Beginn des Schuljahres | Eingangshalle
von Sam am 13.06.2026 16:48Ich hatte schon einen langen Tag hinter mir, obwohl nicht einmal Mittag war. Mom hatte mich früh aufgeweckt, um wirklich ALLES noch einmal mit mir durchzugehen: Den Ausweis, das Visum, den Brief aus Hogwarts, dass ich dieses Jahr als Austauschschül- was war das richtige Wort für mich? Schüler? Schülerin? Definitiv nicht! Schulperson? Das war doch wirklich jeder in einer Schule, oder? Ich muss mir wirklich noch überlegen, was sich richtig für mich anfühlt. Also muss ich mich wohl mal wieder ans Erfinden machen. Seufz!
Dann kam die Aufnahmebestätigung von Ilvermorny, die Einreisegenehmigung mit der Bestätigung der dreiwöchigen Quarantäne meiner magischen Tiere. Es war ein Riesen Aufwand gewesen, das alles bürokratisch absegnen zu lassen. Scheinbar war auch in Ilvermorny die Obergrenze für tierische Begleiter auf maximal eines angesetzt. Wie um Merlins Willen hätte ich aber jetzt genau eines wählen sollen?! Völlig absurd. Schließlich bin ich deren einzige Bezugsperson. Wenigstens ein Wort, das auf mich zutrifft! Letztenendes sind sie dann als „Forschungsprojekt im Unterricht Pflege für magische Tierwesen“ durchgegangen. Offiziell darf aber nur immer eines davon als „Begleittier“ zu mir in den Schlafsaal und dafür muss ich dann ein Halsband umlegen, auf dem „Sam´s Begleittier“ steht. Geradezu ignorant! Sie gehörten mir ja nicht. Sie gehörten sich schließlich selbst. Das ist genau dieses Menschenzentrierte Denken, das uns seit Jahrhunderten im Weg steht, ordentlich mit unseren Mitwesen umzugehen. Am liebsten hätte ich natürlich immer alle bei mir, aber das ist der Kompromiss, den ich nun einmal eingehen muss.
Dann kam mein letztes Zeugnis, das Schreiben, dass ich einen internationalen Portschlüssel benutzen darf dazu, Mom ging die Gepäckliste durch: drei Zaubererumhänge (einen zum Tragen, einen zum waschen, einen, wenn ich dieses Jahr doch noch zu groß für die anderen zwei wäre - als ob!), Socken, Handschuhe aus Drachenhaut, eine Sturmhaube (was denkt sie eigentlich, wo ich hinreise?), mein Zinnkessel Normgröße 2, den ich von Großonkel Caoimhin, den alle nur Kevin nennen, um den sehr talentierten Zaubertrankmeister aufzuziehen, geliehen bekommen habe (wir haben ja keinen Kontakt mehr zur Großfamilie, seit Mom Dad geheiratet hat, also ist es mir ein Rätsel, wie Großonkel Kevin zu der Leihgabe an ursprünglich Mom als Kind inzwischen steht), meinen Besen (den ich streng auf die Liste mit aufgenommen hatte, schließlich muss ich irgendwie panisch herumfliegende Freunde wieder einfangen können), meine neuen UND alten Schulbücher („Was, wenn du etwas vom letzten Jahr nachschlagen möchtest, weil sie die Informationen dort nicht haben?!“ Manchmal ist Mom wirklich engstirnig für eine altirische Clanhexe, die mit einem Muggel-Engländer durchgebrannt ist), Federn, Tinte, Pergament und und und Die tatsächlich wichtigen Sachen, wie den Lieblingskuschelstein von Miley der Feuersalamanderin, musste ich natürlich selbst auf meiner eigenen geheimen Liste abhaken, aber so ist Mom nun einmal; zwar versteht sie meine Liebe zu den magischen Wesen und versucht mich so gut zu unterstützen, wie sie es kann, aber bei manchen offensichtlichen Dingen, wie dass Wobbly seine Mahlzeiten nur um 2 Minuten nach einer vollen Stunde einnimmt, versteht sie einfach nicht.
Aber das, was ich jedes Mal zähneknirschend hinnehme, ist, dass wirklich ÜBERALL mein Deadname „Samantha“ steht. Und gerade als ich daran denke, höre ich ihn schon wieder: „Hollingsworth, Samantha“ Ich balle meine Fäuste und unterdrücke ein lautes Aufstöhnen. Das hier sollte doch ein Neuanfang sein! Hier will ich mich neu erfinden, herausfinden, wer „Sam“ wirklich ist. Ich hatte doch an jeden meiner Lehrer ein - zugegebenermaßen identisches - Schreiben verfasst, dass ich mich gerade im Namensänderungsprozess befinde, aber demnach immer mit Sam oder Rory Hollingsowrth angesprochen werden möchte. Aber das… Zwei forschende Augen starren mich auffordernd an. Habe ich wieder geschlafen? Ich merke, wie mein Gesicht heiß wird. Ich hoffe, dass es nicht knallrot ist.
Nervös trete ich auf den gordischen Knoten. Sehr gut. Ein gordischer Knoten. So wie dieses ganze zwei-Geschlechter-System, das kein Rätsel, sondern einfach ein neumodisches Konstrukt ist, das zerschlagen gehört. So ein gordischer Knoten ist bestimmt auch toll für Flipsy, den Matagot, den ich mitgebracht habe. Naja… technisch gesehen ist Flipsy vorgereist, da sie als „Forschungsprojekt“ mit den anderen „Forschungsprojekten“ gleichzeitig ankommen musste. Ob ich wohl auch ein „Forschungsobjekt“ bin, hier in Il-
„Thunderbird!“ ruft eine erwachsene Stimme. Ich schrecke hoch, weil ich offenbar schon wieder abgedriftet bin und erblicke einen Teenager auf einem Balkon, der halb gelangweilt, halb zufrieden klatscht. Wer das wohl ist? Neugierig stelle ich mich zu den anderen SchülerInnen, die schon ausgewählt wurden und beobachte jetzt erst, wie das tatsächlich abläuft. Der Ausruf des Namens (naja, oder das, was halt auf der Liste steht), das vortreten, auf den Knoten, das aufblitzen, Flügelschwingen… dann das leicht erleichterte Aufatmen und dann das beiseite treten zu uns andern. Viele waren es wirklich nicht, aber es kommen ja die letzten Tage und Wochen so viele aus der ganzen Welt hier nach Ilvermorny. Habe ich auch erleichtert gewirkt? Oder sah ich wegen meinem Gesicht vielleicht wütend aus? Oder gar überheblich? Ich hoffe nicht überheblich. In der magischen Tierwesenwelt kriegen diejenigen, die überheblich sind, ganz schnell auf die Schnauze und das brauche ich nun wirklich nicht. Erst mal will ich hier einfach nur untertauchen und sicherstellen, dass es meinen Lieblingen allen gut geht - immerhin sind sie noch nie so weit gereist ohne mich, da ich sie selbstverständlich entweder aufgepäppelt oder selbst groß gezogen habe. Bis auf Humphrey Bowie, der Bowtruckle, den Mom mir absurderweise tatsächlich gekauft hat. Warum sie ausgerechnet einen Bowtruckle GEKAUFT hat, ist mir bis heute ein Rätsel, aber Reyrey, wie ich ihn nenne, war der Start meiner mehr oder minder exotischen Tierfreundschaften. Reyrey habe ich als einziges persönlich in die USA „einführen“ dürfen, da wir für ihn einen Kaufvertrag besitzen. Liebevoll streichle ich ReyRey über sein verwegen hingelegtes Kopfblatt und stelle noch einmal sicher, dass das Halsband, das ich heute morgen mit dem Reducio Zauber auf seine Größe angepasst habe, noch immer richtig sitzt. Nocheinmal rufe ich mir den Spruch und die Zauberstabbewegung in den Kopf, mit der ich das Halsband wieder vergrößern kann. Die letzten Tage habe ich mir diese zwei Zauber wirklich eingebläut, da sie erst in diesem Jahr Schulstoff sind.
Liebevoll piekst ReyRey mir in den schon sehr vernarbten Daumen. Dann atme ich tief durch, lenke meine Aufmerksamkeit wieder auf meine Umgebung, nur um festzustellen, dass der Teenager vom Balkon verschwunden ist. Wer das wohl war?
Beziehungen von Nora Lestrange
von Leonora am 12.06.2026 10:53


Freundschaften waren für Nora noch nie etwas gewesen, das sich zufällig ergab. Zu oft hatte sie erlebt, wie Menschen Nähe mit Verfügbarkeit verwechselten oder Loyalität versprachen, solange sie nichts kostete. Die wenigen Personen, die sie tatsächlich als Freunde betrachtet, haben ihren Platz nicht durch große Gesten oder wohlklingende Worte erhalten, sondern durch Beständigkeit. Durch jene seltene Fähigkeit, ihr auch dann die Wahrheit entgegenzubringen, wenn sie unbequem ist. Vertrauen entsteht nicht leichtfertig, doch wenn es einmal gewährt wurde, ist es wertvoller als beinahe alles andere.
Freunde:
Kindheitsfreunde:
Heimliche Freundschaften:
Bekannte:




Liebe gehört zu jenen Dingen, über die Nora geglaubt hatte, sie ließen sich verstehen wie politische Bündnisse oder diplomatische Verhandlungen. Mit genügend Beobachtung, Analyse und genügend Abstand. Inzwischen weiß sie es besser. Gefühle folgen selten der Logik, die sie so sehr schätzt und gerade darin liegt ihre Gefahr. Vielleicht auch ihre Faszination. Tief in ihrem Inneren existiert die leise Hoffnung, eines Tages jemandem zu begegnen, bei der sie nicht ständig überlegen muss, welche Worte unausgesprochen bleiben sollten. Jemanden, dessen Nähe nicht als Risiko erscheint, sondern als Entscheidung, die sie freiwillig treffen würde.
Aber bis dahin genießt sie ihr Single-Dasein mit all seinen Vorzügen und hat sichtlich Freude daran, mit Mitschülern und Professoren zu flirten und unschuldige Herzen zu brechen.
Fester Freund/in:
Affäre mit:
Verliebt in:
Verliebt in sie:
Sex-Beziehung:
On-Off Beziehung:
Freundschaft mit Vorzügen:
Ex-Freund/in:




Nora sammelt keine Feinde aus Leidenschaft. Groll ist ein kostenspieliges Hobby und die meisten Menschen überschätzen den Wert offener Konflikte. Dennoch gibt es Personen, deren Ansichten, Handlungen oder Ambitionen sie nicht ignorieren kann. Menschen, die Macht suchen, ohne Versntwortung zu verstehen. Menschen, die Fanatismus mit Überzeugung verwechseln. Menschen, die glauben Loyalität ließe sich durch Angst erzwingen. Sie begegnet solchen Personen selten mit offenem Widerstand. Meist genügt Geduld. Schließlich besitzen die meisten Menschen die bemerkenswerte Eigenschaft, ihre eigenen Fehler früher oder später selbst sichtbar zu machen.
Feind/in:
Konkurrenzkampf mit:
Abneigung gegen:




Der Name Lestrange öffnete Türen, lange bevor Nora alt genug gewesen war, hindurchzugehen. Über Generationen hinweg hatte die Familie Einfluss, Ansehen und politische Verbindungen aufgebaut, die weit über die Grenzen eines einzelnen Landes hinausreichten. Mit diesem Erbe waren Privilegien gekommen, aber ebenso Erwartungen. Erwartungen an Haltung, an Erfolg und an die Art, wie man die Welt betrachtete. Nora trägt ihren Familiennamen mit dem selben ruhigen Selbstverständnis, mit dem andere ihre Kleidung tragen: ein Teil ihrer Identität. Doch sie hat früh gelernt, dass ein Name allein keine Größe verleiht. Letztlich sind es die Entscheidungen eines Menschen, die bestimmen, ob ein Erbe bewahrt, verändert oder eines Tages überschattet wird.
Lestrange gehört zu jenen Namen, die in vielen Teilen der magischen Welt noch immer mit einer gewissen Erfurcht ausgesprochen werden. Nicht unbedingt aus Bewunderung, nicht immer aus Sympathie, aber mit dem stillen Wissen, dass er Gewicht besitzt. Über Generationen hinweg knüpfte die Familie Kontakte, sicherte Vermögen und ihren Einfluss. Während andere Reinblutfamilien ihre Macht vor allem innerhalb eines Landes festigten, hatten die Lestranges früh begonnen, international zu denken. Diplomatische Beziehungen, wirtschaftliche Interessen und persönliche Verbindungen reichten von Europa, über Asien bis nach Amerika. Doch die Linie, der Nora entstammt, war nicht identisch mit jener britischen Blutlinie, die später auch durch ihre Nähe zu Voldemort traurige Berühmtheit erlangte. Zumindest redeten sie sich das ein. Bereits Jahrzehnte vor dessen Aufstieg hatten sich ihre Vorfahren zunehmend von den britischen Hauptzweigen der Familie entfernt. Ursprünglich waren es politische Differenzen gewesen, später weltanschauliche. Während Teile der Familie sich immer stärker auf Reinblutideologien, Exklusivität und die Wahrung alter Machtstrukturen konzentrierten, verfolgten Noras Vorfahren pragmatische Kurse. Sie hielten an den Traditionen ihrer Herkunft fest und waren stolz auf ihr Erbe, betrachteten jedoch internationale Zusammenarbeit als deutlich wertvoller als ideologischen Fanatismus. Nora war mit diesem Bewusstsein aufgewachsen. Sie kannte die Geschichte ihrer Familie ebenso gut wie ihre Erfolge und ihre Fehler. Gerade deshalb hatte sie nie verstanden, weshalb manche Menschen ihre gesamte Identität aus den Entscheidungen längst verstorbener Vorfahren ableiten.
August Lestrange, Noras Vater, ist vermutlich einer der einflussreichsten Menschen, denen sie jemals begegnet ist. Nicht, weil er besonders laut sprach oder seine Autorität demonstrieren musste, sondern weil er gelernt hatte, Macht mit bemerkenswerter Zurückhaltung auszuüben. Der Zauberer ist Mitglied mehrerer internationaler politischer Gremien und verbringt einen Großteil seines Lebens zwischen Sitzungen, Konferenzen und diplomatischen Verhandlungen. Schon früh hatte Leonora beobachtet, wie Menschen auf ihn reagierten. Die meisten respektierten ihn. Einige fürchteten ihn. Kaum jemand unterschätzte ihn. Von ihm erbte sie ihre Faszination für Politik und die Überzeugung, dass die entscheidenden Schlachten selten auf offenen Schlachtfeldern ausgetragen wurden. Gleichzeitig war ihre Beziehung nie von besonderer Nähe geprägt gewesen. August liebt seine Familie auf seine Weise, doch er ist kein Mann großer Emotionen. Anerkennung äußert sich bei ihm häufiger in Vertrauen als in Zuneigung.
Wenn ihr Vater ihr strategisches Denken geprägt hatte, dann war ihre Mutter für alles verantwortlich, was mit Diplomatie zu tun hatte. Celeste Lestrange bewegt sich mit einer Leichtigkeit durch gesellschaftliche Kreise, die Nora bis heute beeindruckt. Sie besitzt die seltene Fähigkeit, Menschen das Gefühl zu geben, verstanden zu werden, ohne jemals mehr von sich preiszugeben als beabsichtigt. Von außen wirkt sie oft warmherziger als August, doch Leonora weiß, dass diese Wahrnehmung täuschen kann. Hinter ihrem Charme verbirgt sich ein scharfer Verstand und ein bemerkenswertes Gespür für politische Dynamiken. Viele der Fähigkeiten, die Leonora heute besitzt, sind nicht das Ergebnis bewusster Unterweisung, sondern jahrelanger Beobachtung. Ihre Mutter hatte ihr nie beigebracht, wie man Einfluss gewann. Sie hatte ihr gezeigt, wie Menschen funktionierten.
Lucien ist die Person, mit der Leonora vermutlich die komplizierteste Beziehung verbindet. Als älterer Bruder war er stets der Maßstab gewesen, an dem andere ihre Erwartungen ausrichteten. Der Erstgeborene. Der zukünftige Träger des Familienerbes. Derjenige, dessen Entscheidungen eines Tages unmittelbare Auswirkungen auf den Namen Lestrange haben würden. Zwischen ihnen hatte nie offene Rivalität geherrscht. Vielleicht gerade deshalb nicht, weil beide intelligent genug waren, die Sinnlosigkeit eines solchen Konflikts zu erkennen. Dennoch existiert eine unausgesprochene Spannung. Nicht aus Feindseligkeit, sondern weil sie einander oft zu ähnlich sind. Beide analysieren. Beide planen voraus. Beide hassen es, die Kontrolle zu verlieren. Trotz aller Unterschiede gehört Lucien zu den wenigen Menschen, deren Urteil Leonora tatsächlich ernst nimmt. Auch wenn sie ihm das vermutlich niemals freiwillig sagen würde. Und falls jemand fragt, ist Nora der Liebling der Familie...auch das würde sie immer abstreiten.
Ihre Großeltern waren die letzte Generation gewesen, die den Übergang zwischen den traditionellen britischen Wurzeln und der internationalen Ausrichtung der Familie aktiv gestaltet hatte. Besonders ihr Großvater hatte früh erkannt, dass die Zukunft der magischen Welt nicht allein in alten Reinblutstrukturen lag. Unter seiner Führung wurden zahlreiche politische und wirtschaftliche Beziehungen außerhalb Großbritanniens aufgebaut, wodurch die Familie ihre Stellung erheblich ausweiten konnte. Ihre Großmutter wiederum war bekannt für ihre außergewöhnliche Bildung und ihre umfangreiche private Bibliothek, in der Leonora viele Stunden ihrer Kindheit verbracht hatte. Einige ihrer frühesten Erinnerungen bestanden aus verregneten Nachmittagen zwischen hohen Bücherregalen und Gesprächen über Geschichte, Politik und Magie.
Tanten und Onkel:
Cousinen und Cousins:
Sonstige Verwandte:

Re: Klassenzimmer für Alte Runen
von Leonora am 12.06.2026 07:27Die Nacht hatte Ilvermorny auf jene eigentümliche Weise verändert, die nur die alten Gemäuer einer solchen Schule beherrschten. Tagsüber war das Schloss ein Ort ständiger Bewegung. Türen öffneten und schlossen sich, Schüler eilten durch Korridore, Stimmen vermischten sich mit dem Rascheln von Pergament und dem entfernten Knallen fehlgeschlagener Zauber. Selbst in den ruhigsten Winkeln blieb stets ein Rest dieser Geschäftigkeit zurück, als hätte das Gebäude selbst sich daran gewöhnt, niemals vollkommen zur Ruhe zu kommen. Nach der Nachtruhe jedoch schien sich etwas zu verändern. Nicht schlagartig. Nicht sichtbar. Und dennoch war es da. Die Gänge wurden länger. Schatten gewannen an Tiefe. Selbst das Licht der magischen Laternen wirkte gedämpfter, als würde es den Schlaf der Mauern respektieren. Nora mochte diese Stunden, vielleicht sogar mehr als jeden anderen Teil des Tages. Ja, Alles war getaucht ins Schweigen der Nachtruhe. Jedenfalls in der Theorie. In der Praxis besaß jede Schule ihre eigenen Ausnahmen, ihre eigenen Grauzonen zwischen Regeln und Wirklichkeit. Ilvermorny bildete dabei keine Ausnahme. Türen schlossen sich später als vorgesehen, Kerzen brannten länger als erlaubt und Gespräche fanden oft erst dann ihren eigentlichen Anfang, wenn die meisten Schüler bereits in ihren Schlafsälen verschwunden waren. Nora störte das nicht. Sie hatte schon vor Jahren festgestellt, dass Menschen in den späten Stunden des Tages deutlich interessanter wurden. Müdigkeit lockerte Zungen. Einsamkeit offenbarte Gedanken. Und wer glaubte, unbeobachtet zu sein, zeigte häufig mehr von sich selbst als während eines ganzen Schuljahres im Unterricht.
Leise schloss sie die Tür zum Gemeinschaftsraum hinter sich und trat in den Gang hinaus. Sie war nie besonders empfänglich für die Vorstellung gewesen, Einsamkeit sei etwas Bedrohliches. Im Gegenteil. Die meisten Menschen fürchteten Stille, weil sie sie mit Leere verwechselten. Leonora hatte früh gelernt, dass beides selten dasselbe war. Stille war oft der Moment, in dem die interessanten Dinge begannen. Mit ruhigen Schritten bewegte sie sich durch den Korridor des Nordturms. Der dunkle Stoff ihrer Kleidung verschmolz beinahe mit den Schatten entlang der Wandvertäfelungen, während das fahle Mondlicht, das durch die hohen Fenster fiel, einzelne kupferrote Strähnen ihres Haares zum Schimmern brachte. In ihrer rechten Hand hielt sie ein Buch mit dunklem Ledereinband. Nicht besonders auffällig. Tatsächlich handelte es sich um ein Notizbuch, dessen Seiten über die vergangenen Jahre hinweg zu einem Archiv aus Beobachtungen, Gedanken und Zusammenhängen geworden waren. Nichts davon war verboten. Nichts davon war auch nur annähernd kompromittierend. Die meisten Einträge bestanden aus belanglosen Kleinigkeiten. Wer mit wem Zeit verbrachte. Welche Schüler regelmäßig dieselben Plätze im Speisesaal bevorzugten. Welche Konflikte sich bereits Wochen vor ihrem Ausbruch angekündigt hatten. Wer im Unterricht sprach und wer schwieg. Gerade die Schweigsamen waren oft die Interessanteren. Sie erreichte eines der hohen Fenster und blieb stehen. Unter ihr erstreckten sich die nächtlichen Ländereien Ilvermornys wie eine schwarzsilberne Landschaft aus Schatten. Der Wald zeichnete sich als dunkle Masse gegen den Horizont ab. Weiter entfernt spiegelte der Fluss das Mondlicht wider und wirkte aus dieser Höhe beinahe wie ein schmaler Riss aus flüssigem Silber. Für einige Augenblicke ließ sie den Blick schweifen. Nicht weil sie nach etwas Bestimmtem suchte, sondern weil sie das Beobachten genoss. Menschen waren selten die einzigen Dinge, die etwas über sich verrieten. Ein Ort tat es ebenfalls. Eine Schule erst recht. Ilvermorny war voller Geschichten. Manche wurden erzählt. Die meisten nicht. Ihre Finger glitten über den Rand des Notizbuches. Einige Seiten weiter vorne befand sich eine Aufzeichnung aus ihrem zweiten Schuljahr. Damals hatte sie begonnen, regelmäßige Notizen anzulegen. Ursprünglich war die Idee aus schlichter Neugier entstanden. Inzwischen war daraus Gewohnheit geworden. Nicht die gefährliche Art von Gewohnheit. Keine Obsession. Vielmehr eine Form geistiger Ordnung. Während andere Menschen Erinnerungen vertrauten, vertraute Nora lieber Fakten. Erinnerungen veränderten sich. Menschen ebenso. Geschriebene Worte dagegen besaßen die angenehme Eigenschaft, genau das zu bleiben, was sie gewesen waren.
Ein leises Kratzen unterbrach ihre Gedanken, so leise, dass die meisten es vermutlich überhört hätten. Nora hob den Blick. Nichts. Der Korridor lag verlassen vor ihr. Die nächste Wandlaterne warf einen schmalen Lichtschein über den Boden. Dahinter verlor sich der Gang in Dunkelheit. Langsam schloss sie das Notizbuch. Vielleicht war es eine Maus gewesen. Vielleicht ein lockerer Dielenboden. Vielleicht auch jemand, der geglaubt hatte, sich unauffällig bewegen zu können. Die letzte Möglichkeit erschien ihr nicht unwahrscheinlich. Nachtruhe besaß auf Schüler oft denselben Effekt wie ein Verbotsschild. Manche betrachteten sie als Regel. Andere als Herausforderung. Ein kaum wahrnehmbares Lächeln erschien auf ihren Lippen. Die Jahre als Vertrauensschülerin hatten ihr einen bemerkenswerten Einblick in menschliche Entscheidungsprozesse verschafft. Insbesondere in schlechte menschliche Entscheidungsprozesse. Es war erstaunlich, wie viele Verstöße gegen Schulregeln sich letztlich auf dieselben Ursachen zurückführen ließen. Neugier. Langeweile. Oder Verliebtheit. Von diesen dreien war Verliebtheit bei weitem die gefährlichste. Nicht weil sie Menschen mutiger machte, dondern weil sie sie dumm machte. Die junge Frau wandte sich vom Fenster ab und setzte ihren Weg fort. Der Korridor führte in eine ruhigere Ecke des Nordturms, die tagsüber kaum Beachtung fand. Einige Klassenzimmer lagen hier, wie das für Alte Runen, vor dem sie gerade stand, ebenso mehrere Büroräume der Lehrkräfte. Um diese Uhrzeit war alles verlassen. Zumindest sollte es das sein. Ihre Schritte verhallten auf dem alten Holzboden. Sie dachte an die Gespräche des Tages zurück. An politische Diskussionen im Unterricht für Magisches Recht. An Gerüchte über internationale Entwicklungen innerhalb der Zauberergemeinschaft. An die unausgesprochenen Spannungen, die selbst vor einer Schule selten Halt machten. Erwachsene liebten die Vorstellung, Jugendliche seien von Politik weitgehend unberührt. Eine bemerkenswert naive Annahme. Die meisten Schüler brachten die Ansichten ihrer Familien mit nach Ilvermorny, ob sie es wollten oder nicht. Vorurteile, Loyalitäten, Ängste und Ambitionen fanden ihren Weg durch dieselben Tore wie ihre Besitzer. Manche lernten, diese Dinge zu hinterfragen. Andere nicht. Wieder andere wurden von ihnen geformt, ohne es überhaupt zu bemerken. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb sie Menschen so faszinierend fand. Zaubersprüche folgten Regeln. Menschen taten das nur selten. Sie blieb erneut stehen. Diesmal war sie sicher. Da war jemand. Nicht sichtbar. Noch nicht. Aber irgendwo in der Nähe. Die Erkenntnis entstand nicht durch ein einzelnes Geräusch, sondern durch eine Reihe kleiner Unstimmigkeiten. Die Art, wie sich die Stille verändert hatte. Die Art, wie man sich beobachtet fühlte, obwohl niemand zu sehen war. Ein vertrautes Gefühl. Sie hatte gelernt, darauf zu vertrauen. Langsam verschränkte sie die Hände hinter dem Rücken. Die Haltung wirkte entspannt. War es aber nicht. "Ich hoffe", erklang ihre Stimme schließlich durch die Stille des Turms, ruhig und höflich wie immer, "Du hast zumindest einen besseren Grund hier zu sein als bloße Schlaflosigkeit." Die Frage war offen genug, um niemanden direkt anzusprechen. Und doch richtete sie sich ganz eindeutig an die Person, deren Anwesenheit sie bereits bemerkt hatte.
Re: Emma &' Nevenka | Auf der Willkommensfeier
von Nevenka am 12.06.2026 00:03Hätte ich Emmas Versuch, ihr Lächeln zu verbergen, gesehen, hätte ich vielleicht einen neckischen Kommentar dazu losgelassen, aber so hatte ich mich tatsächlich einigermaßen verantwortungsvoll - und das war nun wirklich kein Wort, was ich sonst mit mir assoziierte, oder irgendwer sonst an der Stelle - darauf konzentriert, nicht vom Baumstamm herunterzufliegen, während ich darüber balanciert war, auch wenn mir das Manöver nicht schwer gefallen war. Ha, wofür hatte ich den bitte mit zwei Brüdern jeden Tag im Wald verbracht. Auch Emma gelang der Weg über den Stamm gekonnt. Das hier war natürlich auch ihr Lieblingsort, sie kannte die Strecke vermutlich in und auswendig. Trotzdem betrachtete ich sie anerkennend, wie sie in ihrem bodenlangen Kleid hinüber glitt. Schon wieder fiel mir dabei auf, wie schön sie war. Dass sie meine angebotene Hand nicht ergriff, um ihr herunterzuhelfen fand ich kurz enttäuschend, aber vielleicht wollte Emma auch einfach beweisen, dass ihr das hier mühelos auch ohne fremde Hilfe gelang. Auch wenn ich das nie in Frage gestellt hatte. Ihren Stolz konnte ich jedoch auch irgendwie verstehen. Oder sie war einfach noch mit dem Baumstamm beschäftigt oder hatte die Tatsache berücksichtigt, dass es auf der anderen Seite noch enger war und wir sowieso nicht Hand in Hand nebeneinander weiter laufen konnten, auch wenn ich das natürlich eigentlich beabsichtigt hatte. Beziehungsweise hätte ich ihre Hand einfach weiter in meiner gehalten und gehofft. Ich hoffte auch, dass man mir meine Gedanken nicht anmerkte und ging deswegen rasch weiter nach vorne um die Ecke, einigermaßen an der Wand, um sicherzugehen, und rief lachend nach hinten: "Ich hoffe, du weißt, dass ich jetzt hohe Erwartungen habe!"
(Ich bin jetzt einfach genauso neugierig wie Nevenka, wo du uns hinführst ;))

Re: Beziehungen von Lumi Rajamaa
von Nevenka am 11.06.2026 23:39Hier hätte ich für Nevenka auch gerne was :)
Die beiden könnten sich auf jeden Fall auch schon aus Durmstrang kennen. Wäre quasi für alles von besten Feindinnen über ersten Crush bis zu besten Freundinnen offen, haha. Wegen Lumis großen Verantwortungsbewusstseins würde ich aber fast zu 'nem Zickenkrieg tendieren? Aber bin bei allem dabei, was du möchtest ;)








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